Musterlösungen und Qualitätsstandards Radverkehr und Ortsmitten

Digitales Fachseminar der AGFK‑BW zeigt praxisnahe Ansätze und konkrete Arbeitshilfen

Im digitalen AGFK‑BW‑Fachseminar „Mehr Qualität für aktive Mobilität“ am 20. Mai 2026 standen die neuen Musterlösungen für Ortsmitten sowie die Qualitätsstandards und Musterlösungen für den Radverkehr im Mittelpunkt. Deutlich wurde dabei, wie anspruchsvoll die Gestaltung von Straßenräumen heute ist: Unterschiedliche Nutzungsansprüche – vom Fuß‑ und Radverkehr über den motorisierten Verkehr bis hin zu Aufenthaltsflächen, Begrünung oder gewerblichen Nutzungen – treffen auf eng begrenzten Raum. Gleichzeitig sind zahlreiche technische Regelwerke und Vorgaben zu beachten. Um Kommunen bei dieser komplexen Planungsaufgabe zu unterstützen, hat das Land Baden‑Württemberg ein umfassendes Instrumentarium entwickelt, das praxisnahe Orientierung bietet und zu mehr Einheitlichkeit in der Umsetzung beitragen soll.

Vorstellung der Musterlösungen

Die Musterlösungen für Ortsmitten (PDF-Download) wurden von Alexander Ricciardi vom Planungsbüro Planersocietät, das bei der Entwicklung maßgeblich beteiligt war, vorgestellt. Er zeigte auf, wie die verschiedenen Bausteine der Musterlösungen ineinandergreifen. Ziel der Musterlösungen ist es, Planenden sowohl grundlegende Prinzipien als auch konkrete Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand zu geben, die bei der Umgestaltung von Ortsmitten unterstützen.

Im Anschluss stellte Tim Schlatterer von der BERNARD Gruppe die Qualitätsstandards und Musterlösungen für den Radverkehr vor. Zentral waren hierbei die verschiedenen Führungsformen des Radverkehrs innerorts sowie deren Ausgestaltung an Knotenpunkten. Er machte deutlich, wie breit das Spektrum an Lösungsansätzen ist – von getrennten Radwegen über Schutzstreifen bis hin zu Mischverkehrslösungen – und wie diese je nach Situation eingesetzt werden können.

Beide Referenten betonten, dass die Musterlösungen den planerischen Idealfall abbilden und daher nicht als starre Vorgaben zu verstehen sind. In der Praxis müssen sie stets an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Faktoren wie verfügbare Straßenraumbreiten, bestehender Busverkehr oder Nutzungen im Seitenraum – etwa durch Außengastronomie – spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Stärke der Musterlösungen liegt gerade in ihrer Flexibilität: Einzelne Elemente können kombiniert und variiert werden, sodass für eine Vielzahl realer Situationen passende Lösungen entwickelt werden können. Die große Bandbreite an dargestellten Varianten, insbesondere im Bereich des Radverkehrs, soll dabei helfen, möglichst viele Anwendungsfälle abzudecken.

Anhand konkreter Beispiele veranschaulichten die Referenten die Anwendung der Inhalte: Zwei Visualisierungen aus dem Ortsmitten‑Projekt des Landes zeigten, wie bei einer Überplanung die Musterlösungen angewandt werden können. Tim Schlatterer demonstrierte anhand von zwei kommunalen Beispielen, wie die Qualitätsstandards und Musterlösungen für den Radverkehr konkret vor Ort eingesetzt werden können. Vorher/Nachher-Fotos aus Herrenberg und Bad Waldsee zeigen, wie der Radverkehr im Straßenraum sichtbar und regelkonform geführt werden kann.

Vorstellung der Verwaltungsvorschrift zum LGVFG

Abgerundet wurde das Seminar durch einen Beitrag von Julia Fassbinder vom Regierungspräsidium Stuttgart. Sie stellte die seit Februar 2025 geltende Verwaltungsvorschrift (VwV‑LGVFG) vor, die die Rahmenbedingungen für die Förderung vorgibt. Hervorgehoben wurden insbesondere der stärkere Fokus auf Klimaschutz und nachhaltige Mobilität, die Vereinfachung der Verfahren – beispielsweise durch die digitale Antragstellung – sowie die Möglichkeit einer flexibleren, auch unterjährigen Aufnahme von Projekten in die Förderprogramme.

Insgesamt zeigte das Fachseminar eindrücklich, welchen praktischen Nutzen die Musterlösungen und Qualitätsstandards für den Arbeitsalltag in Verwaltung und Planung haben. Sie bieten nicht nur Orientierung in einem komplexen Regelwerk, sondern liefern konkrete, anwendungsnahe Hilfestellungen, die dazu beitragen können, die Qualität von Straßenräumen und die Bedingungen für eine nachhaltige Mobilität spürbar zu verbessern. 

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