Im digitalen AGFK‑BW‑Fachseminar „In Bewegung kommen“ am 14. Juli 2026 stand die Bedeutung der aktiven Mobilität für die Gesundheit im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, dass die positiven Auswirkungen von Zufußgehen und Radfahren auf die körperliche und mentale Gesundheit zwar längst bekannt sind, viele Erwachsene in Baden-Württemberg jedoch die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Bewegungsziele nicht erreichen. Umso wichtiger ist es daher, gesundheitliche Aspekte stärker in Planungsprozesse einzubeziehen und öffentliche Räume so zu gestalten, dass sie Bewegung im Alltag fördern. Wie dies in der kommunalen Praxis gelingen kann, zeigten die Referierenden anhand zahlreicher unterschiedlicher Praxisbeispiele.
Aktive Mobilität als Gesundheitsressource
Zu Beginn stellte Dr. Christoph Mall vom AGFK-Fachbüro Planersocietät die gesundheitlichen Potenziale aktiver Mobilität vor. Er verdeutlichte, dass Gehen und Radfahren die individuelle Gesundheit stärken und zugleich zur Reduzierung von Lärm, Luftschadstoffen und Verkehrsbelastungen beitragen. Aktive Mobilität sei daher eine wertvolle Gesundheitsressource und ein wichtiger Baustein für lebenswerte Kommunen. Gerade im Kontext der Stadt- und Mobilitätsplanung wird der Health in All Policies (HiAP) – Ansatz demnach immer wichtiger - er verfolgt das Ziel, Gesundheit in allen Politikbereichen systematisch mitzudenken und zu fördern.
Bewegungsangebote gemeinsam mit der Bevölkerung entwickeln
Dr. Lisa Paulsen von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg stellte die kommunalen Ergebnisse des EUBeKo-Projektes vor. Die im Rahmen des Projekts entwickelte „Bewegte Dorfrunde“ in Wülfershausen konnte bereits erfolgreich umgesetzt werden und wird von der Bevölkerung intensiv genutzt. Auch der „Schönauer Rundweg“ in Mannheim wurde bereits auf einem Teilstück realisiert. Beide Projekte basieren auf einer umfassenden Bestands- und Bedarfsanalyse sowie einer intensiven Beteiligung der Anwohnenden. Dadurch konnten Angebote geschaffen werden, die gezielt auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung zugeschnitten sind.
Heilbronn bringt Fuß- und Radverkehr voran
Wie bewegungsfördernde Infrastruktur konkret aussehen kann, zeigten Stefan Papsch, Fußverkehrsbeauftragter der Stadt Heilbronn, und Stefan Muth, Fachkoordinator für Radverkehr der Stadt Heilbronn. Mithilfe einer virtuellen Radtour sowie zahlreicher Vorher-Nachher-Aufnahmen gaben sie Einblicke in bereits umgesetzte und geplante Maßnahmen zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs. Die Teilnehmenden zeigten sich beeindruckt vom umfangreichen Engagement der Stadt Heilbronn und den bereits sichtbaren Erfolgen.
Bedeutung innerstädtischer Grünflächen als Hitzeschutz
Tim Kaysers vom Planungsbüro Planstatt Senner stellte in seinem Vortrag Ansätze zur gesundheitsfördernden und klimaangepassten Gestaltung öffentlicher Räume vor. Anhand verschiedener Beispiele zeigte er auf, wie Begrünungsmaßnahmen, Schattenangebote und attraktive Aufenthaltsbereiche sowohl die Aufenthaltsqualität steigern als auch den Folgen zunehmender Hitzebelastung entgegenwirken können. Gleichzeitig betonte er die wichtige Rolle von Bäumen und Grünflächen für die Anpassung an den Klimawandel.
Politische Unterstützung für aktive Mobilität gewinnen
Ein wichtiger Diskussionspunkt der Veranstaltung war die Frage, wie politische Entscheidungstragende, insbesondere Mitglieder von Stadt- und Gemeinderat, von den Vorteilen aktiver Mobilität überzeugt werden können. In ihrem zweiten Vortrag stellte Dr. Paulsen Erkenntnisse aus ihrer Forschung zu Einflussfaktoren auf kommunale Entscheidungsprozesse vor. Dabei zeigte sie auf, welche Argumente und Strategien dazu beitragen können, Maßnahmen zur Förderung aktiver Mobilität erfolgreich zu vermitteln und politische Unterstützung zu gewinnen.
Insgesamt zeigte das Fachseminar eindrucksvoll, dass aktive Mobilität weit mehr ist als ein Verkehrsthema. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung, zur Steigerung der Lebensqualität und zur Klimaanpassung in Kommunen. Die vorgestellten Beispiele machten deutlich, dass bereits mit gezielten Maßnahmen attraktive Bewegungsangebote geschaffen werden können, von denen sowohl die Bevölkerung als auch die Kommunen langfristig profitieren.






