Schwäbisch Hall, 21. August 2026. Knappe Haushalte, fehlendes Personal und politische Aushandlungsprozesse: Die Bedingungen für die kommunale Radverkehrsförderung werden schwieriger. Wie Städte und Gemeinden dennoch handlungsfähig bleiben können, stand am Freitag im Mittelpunkt eines Fachaustauschs der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußverkehrsfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) und der Stadt Schwäbisch Hall. Anlass und Bühne bot die Lidl Deutschland Tour, deren zweite Etappe in Schwäbisch Hall startete.
Unter dem Titel „Fuß- und Radverkehrsförderung in Zeiten klammer Kommunalkassen“ diskutierten Bürgermeister*innen aus Baden-Württemberg, Expert*innen und Gemeinderatsmitglieder aus Schwäbisch Hall darüber, wie Investitionen in aktive Mobilität auch unter hohem Haushaltsdruck möglich bleiben – und welche Handlungsmöglichkeiten Kommunen haben. Der Konsens: Auch wenn das Geld für große Maßnahmen fehlt, lässt sich mit vielen kleinen Maßnahmen viel erreichen. Am wichtigsten sei es, sich auf den Weg zu machen und sich nicht entmutigen zu lassen.
Peter Klink, Erster Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Hall, machte anhand konkreter Projekte aktuelle Erfolge und Herausforderungen deutlich und zeigte auf, unter welchen Bedingungen Kommunen derzeit arbeiten.
Peter Klink, Erster Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Hall:
„Kommunale Radverkehrsförderung findet nicht unter Idealbedingungen statt. Wir müssen mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen arbeiten und gleichzeitig unterschiedlichste Interessen zusammenbringen. Umso wichtiger ist es, vorhandene Spielräume zu nutzen und Projekte so aufzustellen, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen umgesetzt werden können.“
Günter Riemer, Vorstandsvorsitzender der AGFK-BW, machte deutlich, dass es neben der Finanzierung vor allem Menschen in Politik und Verwaltung brauche, die Veränderungen anstoßen, erklären und auch bei Widerständen weiterverfolgen. Gleichzeitig müssten Lösungen unter knappen finanziellen Bedingungen möglichst praktikabel und effizient sein.
Günter Riemer, Vorstandsvorsitzender der AGFK-BW:
„Gerade wenn Geld und Personal knapp sind, dürfen wir nicht in eine Haltung verfallen, in der gar nichts mehr geht. Vieles lässt sich schrittweise, pragmatisch und mit überschaubarem Aufwand verbessern. Die AGFK-BW unterstützt ihre Mitgliedskommunen dabei, individuelle Lösungen zu finden und Maßnahmen umzusetzen.“
Eine zusätzliche Perspektive brachte Prof. Jochen Eckart, Professor für Verkehrsökologie an der Hochschule Karlsruhe ein. Unter dem Titel „Aktive Mobilität als Klimavorsorge“ zeigte er, dass Synergien zwischen Rad- und Fußverkehrsmaßnahmen und Klimaanpassung im Straßenraum gerade bei knapper Haushaltslage Vorteile bieten.
Urkunde für Fuß- und Radverkehrsförderung in Schwäbisch Hall übergeben
Auf der Hauptbühne der Lidl Deutschland Tour überreichte Günter Riemer die Urkunde zum Erreichen der vereinseigenen Qualitätsstufe für Fuß- und Radverkehr an Peter Klink. Mit der Qualitätsstufe würdigt die AGFK-BW Mitgliedskommunen, die wichtige Grundlagen für eine systematische Förderung des Fuß- und Radverkehrs geschaffen haben. Damit verfügen sie über gute Voraussetzungen, die Rahmenbedingungen für den Fuß- und Radverkehr gezielt weiterzuentwickeln.
Die Lidl Deutschland Tour bot einen öffentlichkeitswirksamen Rahmen, um den Blick vom Radsport auf den Alltagsradverkehr zu lenken – und darauf, welche Bedingungen Menschen brauchen, damit sie auch im Alltag gern und sicher Rad fahren.





