Markus Belz (AGFK-BW) setzte als Gastgeber den Rahmen für den Nachmittag: Verkehrssicherheit hat Priorität – vor Leichtigkeit und Komfort. Er verwies auf Aktivitäten der AGFK zum Thema Verkehrssicherheit, u. a. den verkehrspolitischen Dialog 2024 und das das neue AGFK-Positionspapier Vision Zero. Die Botschaft war deutlich: Der Handlungsrahmen steht – jetzt kommt es auf die Umsetzung an.
Arne Koerdt (Verkehrsministerium BW) unterstrich den strategischen Anspruch des Landes: 60 % weniger Verkehrstote bis 2030 – erreichbar, aber nur mit entschlossenem Vorgehen. Er stellte zentrale Maßnahmen aus dem Verkehrssicherheitspakt vor, darunter flächendeckende Tempo-30-Regelungen, Netzlückenschlüsse und neue rechtliche Grundlagen wie die StVO-Novelle 2024. Eindringlich war auch seine Bilanz: Ohne zusätzliche Maßnahmen droht bei steigendem Radverkehr eine Zunahme schwerer Unfälle. Sicherheit muss deshalb als zentrales Planungsziel verankert werden – nicht als Nebenbedingung.
Laura-Teresa von Burski (LISt GmbH) stellte zunächst die Grundlagen kommunaler Verkehrssicherheitsarbeit vor. Wer ist wofür zuständig? Was bringt der § 45 Abs. 9 StVO konkret? Sie zeigte: Es gibt klare gesetzliche Grundlagen – man muss sie nur nutzen. Auch der Umgang mit Unfallkommissionen, Verkehrsschauen und Sicherheitsanalysen wurde anschaulich erklärt. Ihr Appell: Kommunale Akteure sollten die neuen Spielräume aktiv wahrnehmen und Sicherheit nicht auf andere Ebenen abschieben.
Dr.-Ing. Matthias Zimmermann (KIT) rückte die Radverkehrssicherheit auf Landstraßen in den Fokus – ein Thema, das oft unter dem Radar läuft. Seine Datenanalysen zeigten: Viele schwere Unfälle geschehen dort, wo Radverkehr ohne Schutz auf klassifizierten Straßen geführt wird. Klare Empfehlungen: sichere Querungsstellen, Tempolimits an Knotenpunkten, bessere Sichtbeziehungen. Und: Auch im Bestand lassen sich mit einfachen Mitteln Verbesserungen erzielen – etwa mit solarbetriebenen Ampeln oder Querungshilfen an kritischen Stellen.
In ihrem zweiten Beitrag zeigte Laura-Teresa von Burski, wie die Vision Zero mit konkreten Maßnahmen vor Ort Gestalt annehmen kann. Anhand der 4 E – Engineering, Enforcement, Education, Encouragement – gab sie einen Überblick über wirksame Hebel: bauliche Anpassungen, Temporeduktion, gute Öffentlichkeitsarbeit und die gezielte Ansprache von Zielgruppen. Ihr Fazit: Auch mit kleinen Schritten lassen sich schnell große Wirkungen erzielen – man muss nur anfangen.
Vision Zero ist keine Vision mehr – sondern ein Arbeitsauftrag.
Die Diskussionen zeigten deutlich: Die Instrumente sind da, das Wissen ebenso – jetzt braucht es entschlossenes Handeln. Das Seminar machte Mut, Verantwortung zu übernehmen und konkrete Schritte für mehr Sicherheit zu gehen. Denn am Ende geht es um nichts weniger als das: Menschenleben zu schützen.






