Enge Überholvorgänge sind einer der häufigsten Stressfaktoren für Radfahrende. Sie beeinflussen nicht nur die objektive, sondern insbesondere die subjektive Sicherheit und damit die Wahl des Verkehrsmittels.
Mit dem Abschluss des Modellprojekts gÜRad zum Überholabstand legt die Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußverkehrsfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW) gemeinsam mit der Hochschule Karlsruhe nun die Ergebnisse vor. In diesem Projekt wurden Überholabstände zwischen Kraftfahrzeugen (Kfz) und Radfahrenden in zehn Modellkommunen gemessen und verschiedene Maßnahmen in Realexperimenten getestet. Ziel war es, herauszufinden, wie sich sichere Überholsituationen schaffen lassen. Kommunen erhalten dazu nun einen Praxisleitfaden, der konkrete Hilfestellung bietet.
Untersuchung in zehn Modellkommunen
In den Jahren 2022 bis 2024 wurden in den Städten Aalen, Backnang, Baden-Baden, Heilbronn, Mengen, Offenburg, Schorndorf, Singen, Stuttgart und Ulm Überholabstände zwischen Kfz und Radfahrenden untersucht. Die Messungen erfolgten mit dem OpenBikeSensor, einem bürgerwissenschaftlichen Messinstrument. Darauf aufbauend setzten die Kommunen Realexperimente in definierten Straßenabschnitten um, die von Markierungen wie Piktogrammketten oder Schutzstreifen, verkehrsrechtliche Maßnahmen bis hin zu Kommunikationskampagnen reichten.
Besonderer Dank gebührt den mutigen Mitgliedskommunen der AGFK für die Umsetzung des Modellprojektes und der Realexperimente, welche wichtige Erkenntnisse liefern, um geeignete Maßnahmen vor Ort zur Förderung des Radverkehrs zu finden. Zu oft bleibt das Rad heute noch stehen, weil sich Menschen darauf nicht sicher fühlen. Mit den Projektergebnissen können nun Maßnahmen systematisch geprüft werden, die das Sicherheitsempfinden maßgeblich verbessern.
Es braucht individuelle Lösungen
Die Auswertung zeigt die vielseitigen Herausforderungen bezüglich der Einhaltung gesetzlicher Überholabstände in innerstädtischen Bereichen. Es gibt keine einfache Lösung für alle Probleme. Um die Sicherheit von Radfahrenden nachhaltig zu erhöhen, sollten ganzheitliche Maßnahmen ergriffen werden: mit Bezug auf die Infrastruktur, der Öffentlichkeitsarbeit sowie eine konsequente Ahndung von zu engen Überholabständen.
Praxisleitfaden für Kommunen
Mit dem neuen Praxisleitfaden stellt die AGFK-BW Kommunen nun ein Werkzeug zur Verfügung, das die Projektergebnisse bündelt und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. Er enthält Hilfen zur Identifikation neuralgischer Stellen, zur Bewertung von Maßnahmen sowie Empfehlungen für Kommunikation und Ahndung.
Mit der Studie und dem daraus entwickelten Leitfaden für die Kommunen ist ein wichtiger Grundstein gelegt, um die Sicherheit im Radverkehr weiter zu stärken.
Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) fördert das Projekt aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans.






