Zwischen 2019 und 2021 führten die drei Städte auf zahlreichen Straßen Tempo 40 ein, um die Luftqualität zu verbessern und Verkehrslärm zu reduzieren. Dort sank die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten anschließend um rund zwei Drittel. Das haben das SWR Data Lab und das Datenjournalismus-Team der Neuen Pressegesellschaft (NPG) ermittelt. Dafür werteten sie Unfalldaten des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg aus. Sie berücksichtigten Unfälle, bei denen mindestens ein Pkw beteiligt war und Menschen zu Schaden kamen – darunter auch Fußgänger und Radfahrende. Die Teams zählten die Unfälle mit verletzten Personen, nicht die Anzahl der Verletzten.
Allerdings erklärt Tempo 40 den Rückgang nicht allein: Auch auf Tempo-50-Straßen in anderen Städten Baden-Württembergs mit mindestens 50.000 Einwohner sank die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten, dort jedoch um 46 Prozent. Gründe dafür dürften der leicht rückläufige Autoverkehr und der zunehmende Einbau von Fahrassistenzsystemen den Fahrzeugen sein.
Gerade für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, spielt die Geschwindigkeit eine entscheidende Rolle. Im Gespräch mit dem SWR erklärte Verkehrswissenschaftler Markus Friedrich an der Universität Stuttgart: „Das Todesrisiko für Fußgänger ist bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 50 [km/h] fünfmal so hoch wie bei 30 [km/h].“ Eine Untersuchung der Universität Stuttgart zeigt zudem: Durch Tempo 40 verlängerten sich die Fahrzeiten in Stuttgart nur geringfügig.
Verkehrssicherheit konsequent voranbringen
Die Ergebnisse der Auswertung geben Kommunen wichtige Hinweise, wie sie ihre Straßen sicherer machen können. Die AGFK-BW fordert in ihrem Positionspapier „Vision Zero, jetzt!“ gemeinsam mit ihrem Förderkreis, dass Kommunen Geschwindigkeiten leichter senken können und innerorts grundsätzlich Tempo 30 gilt. Ebenso wichtig sind sichere Wege, die Fehler verzeihen, freie Sicht an Kreuzungen und konsequente Kontrollen. Das Ziel der Vision Zero lautet: keine Verkehrstoten und Schwerverletzten. Um das zu erreichen, müssen Kommunen, Land und Bund gemeinsam handeln. Das Positionspapier zeigt konkret, wie sie die Infrastruktur verbessern, Regeln anpassen und die Verkehrskompetenz stärken können.
Hier finden Sie den Beitrag des SWR zu den Auswirkungen von Tempo 40.






