Stadt Karlsruhe

Eckdaten

  • 297.488 Einwohner
  • Gründungsmitglied der AGFK-BW
  • Fahrradfreundliche Stadt (seit 2011)
  • Anteil des Radverkehrs am Modal Split: 25%

Was wurde bisher umgesetzt?

Radeln vor dem Karlsruher Schloss

Die Stadt Karlsruhe hat mit ihrer Lage in der Rheinebene ideale Voraussetzungen für den Fahrradverkehr. Die letzte Fortschreibung des Radkonzeptes fand Anfang der 90er Jahre statt. Auslöser für die komplette Überarbeitung des Radkonzeptes im Jahr 2005 war das schlechte Abschneiden Karlsruhes im deutschlandweiten ADAC-Test „Radfahren in Städten“ im Jahr 2004. Auch der Test des ADFC 2003 zeigte Schwächen des Karlsruher Radverkehrssystems auf.

Ein BYPAD-Verfahren (Bicyle-Policy-Audit) führte im Herbst 2005 zum einstimmigen gemeinderätlichen Beschluss des „20-Punkte-Programms zur Förderung des Radverkehrs“.
Im 20-Punkte-Programm sind sowohl allgemeine, als auch konkrete und messbare Ziele genannt:

  • Planung und Bau von jährlich zwei Radrouten.
  • Steigerung des Radverkehrsanteils von 16 % (2002) auf 21 % (2012) bzw. 23 % (2015) an allen Wegen durch Verlagerungen vom MIV aufs Rad.
  • Senkung der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung: Verringerung um 15 % bis 2010 von damals ca. 500 Unfällen bzw. 25 % weniger schwer verletzte Radfahrer.
  • Bei allen Straßenbaumaßnahmen ist stets zu prüfen, ob Verbesserungen für den Radverkehr umgesetzt werden können.

Die Radverkehrsförderung unter dem Leitbild „Radverkehr als System“ bedeutet, dass neben Infrastrukturmaßnahmen auch die Elemente Öffentlichkeitsarbeit, Service und administrative Rahmenbedingungen wichtiger Teil der Karlsruher Radverkehrsförderung sind.

„Veloweiche“ Stephanienstraße/Kaiserplatz, ein früherer Unfallschwerpunkt

Realisierte Beispiele der letzten Jahre im Bereich Infrastruktur:

  • 2005 wurde ein Sofortmaßnahmenprogramm zur Entschärfung von Unfallhäufungsstellen aufgelegt.
  • Als erste Hauptrouten standen im Sommer 2006 die Cityrouten Nord und Süd zur Umfahrung der Fußgängerzone in der Innenstadt zur Verfügung.
  • Im Zuge der Hauptrouten werden insbesondere Radfahrstreifen realisiert.
  • Seit Ende 2010 ist die wegweisende Beschilderung fertig gestellt.
  • Die Karlsruher Fahrradstraßen sind, mit Ausnahme einer, für Kraftfahrzeuge frei. Die längste Fahrradstraße verläuft in der Sophienstraße. Im Frühjahr 2009 eingerichtet, löste sie viele Konflikte zwischen Kfz-, Rad- und Fußverkehr und konnte zwei Jahre später in beide Richtungen verlängert werden.

Nur für Radler: Fahrradstraße, Cityroute Süd

  • In der Rheinstraße wurden 2007, zunächst im Rahmen eines Verkehrsversuches und unter wissenschaftlicher Begleitung, Schutzstreifen in beiden Richtungen neben überbreiten Kfz-Fahrstreifen markiert. Die Sicherheitsabstände zwischen Radlern und Autofahren haben sich deutlich erhöht und es fahren inzwischen weniger Radler auf dem Gehweg. Auch in der Blücherstraße konnte 2011 mit Hilfe der Schutzstreifen endlich ein Angebot für alle Verkehrsteilnehmer geschaffen werden.
  • In den letzten Jahren wurden immer mehr Über- und Unterführungen durch ebenerdige Querungen ersetzt. Aktuelles Beispiel ist die Kriegs-/Hirschstraße: Im Sommer 2009 nutzten 600 Radler und 900 Fußgänger (in 14 h) die Unterführung. An Pfingsten 2011 wurde eine zusätzliche ebenerdige Querung über die „Stadtautobahn“ zwischen Innenstadt und Südweststadt eingerichtet. Im Herbst querten hier bereits 1.500 Radler (davon 93 % ebenerdig) und 1.400 Fußgänger (davon 75 % ebenerdig).

Öffentlichkeitsarbeit:

Der Öffentlichkeitsarbeit kommt bei der Erreichung der Ziele des 20-Punkte-Programms große Bedeutung zu.

  • Die Kampagne „Kopf an: Motor aus.“, 2009 vom Bundesumweltministerium an Karlsruhe vergeben, seit 2010 mit eigenen Mitteln fortgeführt, ist eine Möglichkeit, auf ironische und provokante Art fürs Radeln zu werben.
  • Besonders erfolgreich zeigten sich die Wettbewerbe „Fahrradfreundlichster Arbeitgeber“ 2008 + 2010 und der Fotowettbewerb „Ich fahre Fahrrad, weil...“.
  • Im Rahmen der Erstwohnsitzkampagne werden jedes Semester rote Fahrräder („Draisler“) an Studierende verlost, über 3.000 Räder wurden bereits ausgegeben.
  • Der jährliche Fahrradtag „Draistag“ hat immer mehr Aussteller

Bürgermeister Michael Obert zeichnet die Gewinnerfirma im Rahmen des Wettbewerbs „Fahrradfreundlichster Arbeitgeber in Karlsruhe 2010“ aus.

Service:

  • Den Fahrradverleih Call a Bike gibt es in Karlsruhe seit 2007, seit 2011 mit vereinfachter Rückgabe, vier Solarterminals zur Registrierung und zum Leihen ohne Mobiltelefon und mit einer Kooperation der Verkehrsbetriebe Karlsruhe.
  • Die Nutzerzahlen der 2007 eingerichteten Fahrradstation am Hauptbahnhof steigen stetig an (über 50 % der 440 Plätze belegt).
  • Seit Anfang 2011 werden Ampelgriffe montiert.
  • Bike & Ride wird an neuen Straßenbahnhaltestellen eingerichtet bzw. bei bestehenden nachgerüstet.
  • Der Mängelbogen für Rad- und Fußwege, der auch online verfügbar ist, wird immer stärker nachgefragt.

„Kopf an: Motor aus.“: Bürgermeister Martin Lenz, der Schuldezernent, verteilt Coaching Packs an Auto fahrende Eltern vor Schulen.

Administrative Rahmenbedingungen:

  • Im jährlich stattfindenden Radlerforum (Fraktionsmitglieder, Stadtverwaltung, Verbände) werden umgesetzte Maßnahmen dargestellt, ein Ausblick auf geplante Maßnahmen gegeben und die Unfallbilanz erläutert.
  • Die regelmäßige Einbindung der lokalen Politik in Aktionen, wie beim Draistag, findet bei den Mitgliedern des Gemeinderats Anklang.

Aktuelle Handlungsschwerpunkte

  • Aktuelles Thema ist die Ausweitung des Fahrradparkens, für 2013 sind Konzepte in Durlach und der Südstadt-Ost geplant.
  • Die Reduktion der Radunfälle, 15 % weniger Unfälle bzw. 25 % weniger Schwerverletzte bis zum Jahr 2010, konnte nicht erreicht werden. Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmenden sind noch nicht so verankert wie erhofft. Ein Verkehrssicherheitskonzept für alle Verkehrsteilnehmenden wird derzeit erarbeitet.
  • Radverkehrsplanung ist Angebotsplanung: Das wird in Karlsruhe durch Radverkehrszählungen auf neuen Routen bestätigt. Bis zu 50 % Zuwachs gegenüber der Zeit vor der Maßnahme sind punktuell zu verzeichnen. Neue Erkenntnisse über die Radnutzung in Karlsruhe brachte die Haushaltsbefragung 2012 über die Verkehrsmittelwahl: In den letzten zehn Jahren konnte der Radverkehrsanteil von 16 % auf 25 % gesteigert werden. Das für 2015 angepeilte Ziel von 23 % wurde somit jetzt schon überschritten. 17 % der zurückgelegten Kilometer werden mit dem Fahrrad erbracht. Allerdings wird in den einzelnen Stadtgebieten unterschiedlich häufig in die Pedale getreten. In der Innenstadt schwingen sich 28 % in den Sattel, 24 %  sind es in den äußeren Stadtteilen und 4 % in den Bergdörfern. Nur noch jeder dritte Weg (34 %) wird in der Stadt mit dem Auto zurückgelegt. 2002 waren es noch 44 %.

Wie geht es weiter?

Im April 2013 stimmte der Planungsausschuss der Stadt Karlsruhe einer Fortschreibung des 20-Punkte-Prorgamms mit einigen Anpassungen zu:

  • Radverkehrsanteil: 30 % Radverkehrsanteil bis zum Jahr 2020 (auch verankert im Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2020)
  • Verkehrssicherheit: Im Verkehrssicherheitskonzept, das derzeit erarbeitet wird, sollen neue Zielvorgaben und Maßnahmenpakete definiert werden.
  • Fahrradparken: Bemängelt werden immer wieder fehlende Fahrradabstellanlagen. Möglichkeiten des Fahrradparkens sollen ausgeweitet werden. Überdachte Fahrradabstellanlagen sollen zukünftig auch außerhalb von Bike&Ride realisiert werden.
  • Radnetz: Der zunehmende Anteil von Pedelecs und der steigende Radverkehrsanteil müssen verstärkt berücksichtigt werden. Es entsteht ein zunehmender Bedarf an Radverkehrsanlagen auch in den Höhenstadtteilen. Das Thema Radschnellwege muss mitgedacht und (zusätzliche) Strecken im Radnetz vorgesehen werden. Das Radroutennetz soll entsprechend überarbeitet werden.

Der weitere Ausbau des Radnetzes, insbesondere der Hauptrouten, hat weiterhin hohe Priorität.

Auch der im Herbst 2012 verabschiedete Verkehrsentwicklungsplan mit Zielhorizont  2020 bestätigt den eingeschlagenen Weg der Radverkehrsförderung und empfiehlt eine Fortführung des 20-Punkte-Programms.

Karlsruhe erhofft sich von der AGFK-BW einen intensiveren Austausch zwischen den Kommunen. Neue Ideen können gemeinsam entwickelt und angestoßen werden. Sowohl innerhalb der eigenen Stadt als auch bei Land und Bund können somit Belange des Radverkehrs besser vertreten werden.

Kontakt

Stadt Karlsruhe
Stadtplanungsamt
Lammstraße 7
76133 Karlsruhe

Tel: 0721/133-6101
Fax: 0721/133-6109
Mail: stpla@karlsruhe.de

www.karlsruhe.de/radverkehr

Ansprechpartnerin:
Johannes Schell
Tel.: 0721/133-6164
Mail: johannes.schell@stpla.karlsruhe.de

und

Ulrike Eblenkamp
Tel.: 0721/133-6177
Mail: ulrike.eblenkamp@stpla.karlsruhe.de