13. Juni 2016 16:13

In Baden-Württemberg gibt es mehr Fahrräder als Autos: Im Durchschnitt ein Fahrrad pro Bewohner. Wie häufig sie im Alltag genutzt werden, hängt auch davon ab, wie sicher und komfortabel sie am Ausgangs- und Zielort geparkt werden können. Die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW) schult deswegen Kommunen im Rahmen eines Fachseminars in Ulm zum Thema Fahrradparken.

„Ausreichende, sichere und zielnahe Fahrradabstellanlagen an allen Start- und Zielpunkten sind eine zentrale Voraussetzung für die Steigerung der Fahrradnutzung“, erklärt Arne Koerdt, Leiter des Referats Rad- und Fußverkehr im Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, anlässlich des AGFK-Fachseminars „Mehr Parkraum fürs Fahrrad“ am 13. Juni 2016 in Ulm. Damit bei Neu- und Umbauten ausreichende Stellplätze für Fahrräder geschaffen werden, legt die Landesbauordnung seit 2015 die Zahl der vorgeschriebenen Fahrradstellplätze fest. Gleichzeitig wurden in der Bauordnung neue Möglichkeiten geschaffen, platzintensive Pkw- durch flächensparende Fahrradabstellplätze zu ersetzen. „Damit auch im Straßenraum genügend Angebote zum Abstellen von Fahrrädern geschaffen werden, ist es Ziel der RadSTRATEGIE des Landes Baden-Württemberg, dass bis 2025 10 Prozent der Einwohner in ihrer Kommune öffentlich zugängliche Fahrradstellplätze zur Verfügung stehen“, ergänzt Koerdt.

Radverkehrsförderung ist Wirtschaftsförderung

Auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder in der Freizeit – Radfahren liegt im Trend. Um das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel zu fördern, sind Radabstellanlagen auch an Arbeitsplätzen oder Bahnhöfen von großer Bedeutung, denn nur wer sein Rad am Ziel sicher parken kann, legt diese Wege auf dem Rad zurück.

Deswegen ist proaktives Handeln in den Kommunen, bei der Wohnungswirtschaft und bei Einzelhändlern gefordert. Denn fehlende Fahrradabstellanlagen und die damit verbundene Diebstahlgefahr führen dazu, dass Bürger weiterhin mit minderwertigen Fahrrädern unterwegs sind, die oft mangelhafte Bremsen oder fehlende Beleuchtung haben. Nur wer sein Rad diebstahlsicher abstellen kann und vor Vandalismus geschützt ist, schafft teure Fahrräder an. Gute Radabstellanlagen sind also auch wirtschaftlich sinnvoll.

Gute Radabstellanlagen bei der Gebäudeplanung berücksichtigen

„Ausreichende, gute Abstellplätze fördern die Nutzung des Fahrrades und verringern Behinderungen für den Fußverkehr durch ungeordnet abgestellte Fahrräder. Abstellplatztypen wie zum Beispiel Rahmenhalter und Vorderrad-Gabelhalter unterschiedlicher Formen machen ein weitgehend sicheres Abstellen und Beladen des Fahrrades möglich", betont auch Wolfgang Bohle, Experte zum Thema Fahrradparken von der Planungsgemeinschaft Verkehr aus Hannover.„Die Kommunen sind hier gefordert, Abstellanlagen in ihren Radverkehrskonzepten zu berücksichtigen und Gebäudeeigner bei der nachträglichen Errichtung von Abstellplätzen zu unterstützen - auch mit Blick auf ihre verkehrspolitischen Ziele zur Steigerung des Radverkehrs am Gesamtverkehr. Teil dieser Konzepte sollten Flächen für Fahrräder mit besonderen Abmessungen, erforderliche Überdachungen oder gesicherte Abstellplätze vor allem für hochwertige Fahrräder vorsehen", führt Bohle weiter aus.

Fahrradabstellanlagen in Kommunen

„Für Kommunen können Radabstellanlagen zur Kostenreduktion beitragen, denn ein Pkw-Stellplatz kostet bei der Einrichtung acht- bis zehnmal mehr als ein Fahrradabstellplatz“, ergänzt Saskia Trefzer, Radverkehrsbeauftragte der Stadt Lörrach, auf dem Fachseminar. Besonders in Städten werden bereits viele Kurzstrecken auf dem Rad zurückgelegt, so dass der Bedarf von Radabstellanlagen z.B. in der Innenstadt groß ist. Gute Praxisbeispiele für Fahrradabstellanlagen an verschiedenen Standorten wie im Wohnumfeld oder in der Innenstadt wurden auf dem Seminar von Stadtplanungs-experten vorgestellt und regten andere Kommunen zum Nachfragen und Nachahmen an.

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