09. März 2018 07:44

Die Stadt Esslingen startet die Kampagne „Mit Abstand sicher – 1,5 m für Radfahrer“, um die Sicherheit von Radfahrern im Straßenverkehr zu verbessern.

Im Mittelpunkt der Kampagne steht der Sicherheitsabstand beim Überholen von Radfahrern - aber es geht um mehr. Es geht um Rücksichtnahme und einen fairen Umgang aller Verkehrsteilnehmer miteinander.

Am Montag den 05.03.2018 stellte der Erste Bürgermeister Wilfried Wallbrecht auf dem Marktplatz zusammen mit Harald Boog (SVE), Dieter Lentz (Kreisverkehrswacht Esslingen e.V.), Thomas Albrecht (ADFC Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) und Sabine Frisch (Sachgebiet Nachhaltigkeit und Klimaschutz ) zum Auftakt der Kampagne "Mit Abstand sicher - 1,5 m für Radfahrer" einen Bus der SVE vor. Seit Februar ist der Bus mit dem gut sichtbaren Motiv auf der Heckfläche in Esslingen unterwegs: eine Radfahrerin wird von einem Auto überholt und ein roter Pfeil signalisiert den erforderlichen Mindestabstand von 1,50 m.

Umsetzung im Rahmen der RadKULTUR Esslingen.

Die Kampagne ist Teil der Klima-Initiative ESSLINGEN&CO und wird durch die Kreisverkehrswacht Esslingen e.V. und dem ADFC unterstützt. Beide Vereine setzen sich dafür ein, die Sicherheit von Radfahrern zu verbessern. Die Umsetzung der Kampagne erfolgt im Rahmen der RadKULTUR Esslingen und wird in der kommenden Zeit noch weiter ausgebaut. Geplant sind zum Beispiel Verkehrsschilder und Plakate.

Ziel - Radverkehrsanteil bis 2025 verdoppeln.

"Im Blick auf die ambitionierten Esslinger Klimaschutzziele, unsere CO2-Emissionen bis 2020 um 25% zu reduzieren und zur gezielten Förderung der emissionsfreien Mobilität hat sich die Stadt Esslingen vorgenommen, den Radverkehrsanteil bis 2025 zu verdoppeln" erklärt Bürgermeister Wallbrecht. "Dafür ist es wichtig, dass die Radfahrer und Radfahrerinnen sich auf unseren Straßen sicher fühlen".

Entscheidend für die Fahrradnutzung: Das Miteinander auf den Straßen.

Zu den entscheidenden Kriterien, ob das Fahrrad im Alltag genutzt wird - oder auch nicht - gehört neben Schnelligkeit und Komfort die Sicherheit. Diese entscheidet darüber, ob nur trainierte, selbstbewusste Fahrer das Rad nutzen oder auch ältere Menschen, Ungeübte und Kinder.

In Esslingen besteht die Herausforderung, dass aufgrund der mittelalterlichen Stadtstruktur und der topographischen Gegebenheiten für separate Radwege oftmals der Platz fehlt. Radfahrer müssen zusammen mit den Pkw, Bussen und Lkw auf der Straße fahren. Zudem sind die Verkehrsbelastungen auf den Straßen oft hoch, so dass eine umsichtige und rücksichtsvolle Fahrweise besonders wichtig ist.

Im Alltag sieht es häufig leider anders aus. Radfahrer fühlen sich durch zu dicht vorbeifahrende Autos bedrängt, Autofahrer ärgern sich über Radfahrer, die durch ihr geringeres Tempo den Autoverkehr behindern. Nicht selten führt dies zu gefährlichen Situationen und Unmut auf beiden Seiten.

Unsicherheit besteht immer wieder, welcher Seitenabstand eingehalten werden muss.

Die Straßenverkehrsordnung gibt vor, dass beim Überholen ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu Fußgängern und zu Radfahrern, eingehalten werden muss. Konkretere Vorgaben macht die Rechtsprechung, die einen Seitenabstand von mindestens 1,50 m als verpflichtend ansieht - werden Kinder transportiert, sogar mehr. Halten Pkw, Lkw oder Busse einen zu geringen Seitenabstand beim Überholen ein, kann das für Radfahrer schnell gefährlich werden.

Für Radfahrer gilt wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer das Rechtsfahrgebot. Allerdings empfiehlt die Rechtsprechung einen Abstand von ca. 1-1,5 m von parkenden Autos einzuhalten, damit genügend Raum und Zeit ist, wenn sich plötzlich eine Autotür öffnet. Für Autofahrer heißt das, dass sie dann auf jeden Fall auf die Gegenfahrbahn ausweichen müssen, wenn sie einen Radfahrer überholen.

Bei Radfahrern kommt es vor allem bergauf zu Pendelbewegungen, sie müssen Gullydeckeln, Scherben oder Schlaglöchern ausweichen und sind empfindlich gegenüber Seitenwind. Zudem besteht bei zu knappem Überholen das Risiko, dass Radfahrer den entstehenden Seitendruck nicht ausgleichen können oder einfach erschrecken. Dies kann zum Sturz und schweren Verletzungen führen.

Appell für mehr Rücksicht.

Deshalb will die Kampagne "Mit Abstand sicher - 1,5 m für Radfahrer" zum einen über die vorgeschriebenen Mindestabstände aufklären und zum anderen an alle Verkehrsteilnehmer appellieren, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Vor allem die schwachen Verkehrsteilnehmer sind gefährdet, denn Fußgänger und Radfahrer haben keine Knautschzone.

Hintergrundinformationen

In Esslingen wird der Radverkehr im Rahmen der RadKULTUR Esslingen verstärkt gefördert. Zu den aktuellen Projekten gehören

  • das soeben erschienene Veranstaltungsprogramm "RadKULTUR Esslingen" mit rund 40 Aktionen, Radtouren, Filmvorführungen und Vorträgen, unter anderem einem Cargo-Bike Aktionstag, der Kampagne STADTRADELN und der Radsternfahrt,
  • Ausweitung der Zeiten für die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern im Bus und
  • kostenloser Lastenrad-Lieferservice an Samstagen auf dem Esslinger Wochenmarkt ab 17. März bis Ende Oktober.

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