19. Mai 2017 13:43

Karlsruhe belegt Platz 2 hinter Münster - Pforzheim kann sich zu den Aufsteigern zählen.

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist das „Kundenbarometer“ der Radfahrenden in Deutschland. Über 120.000 Bürgerinnen und Bürger haben an der siebten Umfrage des ADFC teilgenommen und die Fahrradfreundlichkeit von mehr als 500 Städten bewertet. Heute wurden im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands ausgezeichnet. Aber auch die Kritik der Radfahrenden wurde intensiv diskutiert.

Engagierte Rad-Förderung zahlt sich aus

Während Münster nach Einschätzung des ADFC vor großen, ungelösten Problemen durch eine inzwischen unterdimensionierte Infrastruktur sowie steigende Unfallzahlen steht und dadurch kontinuierlich in der Gunst der Radfahrenden verliert (von 1,88 in 2003 auf 3,07), profitieren Städte, die den Radverkehr zur Chefsache gemacht haben.

So setzt Karlsruhe auf eine gute Mischung aus systematischer Radverkehrsförderung mit messbaren Zielen, einem flächendeckenden Radwegenetz und Kommunikation (Kampagne „Tu’s aus Liebe“ für besseres Verkehrsklima), Göttingen gewinnt durch den „eRadschnellweg“, das niedersächsische Nordhorn behandelt das Fahrrad überall prioritär und legt beispielsweise Neubaugebiete so an, dass man von den Fahrradparkplätzen aus den kürzesten Weg in die Stadt hat.

Auch Pforzheim auf der Überholspur

Als stärkste Aufholer wurden ausgezeichnet: Bochum, Wuppertal und Augsburg in Gruppe 1, Pforzheim, Regensburg und Offenbach a.M. in Gruppe 2, Marburg, Hanau und Iserlohn in Gruppe 3, sowie Baunatal, Gevelsberg und Zirndorf in Gruppe 4. Diese Städte haben sich gegenüber dem ADFC-Fahrradklima-Test 2014 am stärksten verbessert.

 

Übersicht der Erstplatzierten (im Vergleich zu 2014)

 

Über 200.000 Einwohner (Gruppe 1)

1. Münster Note 3,07, stark verschlechtert, gleicher Platz

2. Karlsruhe Note 3,09, relativ konstant, gleicher Platz

3. Freiburgi.Br. Note 3,28, relativ konstant, gleicher Platz

 

100.000 – 200.000 Einwohner (Gruppe 2)

1. Göttingen Note 3,29, relativ konstant, neu unter Top 3

2. Hamm Note 3,32, leicht verbessert, neu unter Top 3

3. Erlangen Note 3,34, relativ konstant, 2 Plätze gefallen

 

50.000 – 100.000 Einwohner (Gruppe 3)

1. Bocholt Note 2,29, leicht verschlechtert, gleicher Platz

2. Nordhorn Note 2,59, relativ konstant, gleicher Platz

3. Wesel Note 3,02, leicht verschlechtert, gleicher Platz

 

Unter 50.000 Einwohner (Gruppe 4)

1. Reken Bestnote 1,86, relativ konstant, gleicher Platz

2. Wettringen Note 2,08, leicht verbessert, neu unter Top 3

3. Heek Note 2,11, stark verbessert, neu unter Top 3

 

Was ist überhaupt eine fahrradfreundliche Stadt?

Nach Überzeugung des ADFC gehört zu einer fahrradfreundlichen Stadt vor allem ein durchgängiges, großzügiges, intuitiv verständliches Radverkehrsnetz quer durch die ganze Stadt. Für Alltagsradler, die mit dem Rad zur Arbeit oder zu Terminen fahren, ist es wichtig, dass es direkt geführte Verbindungen gibt, die ein zügiges Vorankommen ermöglichen. Für den Freizeitverkehr sollte es zusätzlich attraktive Grünrouten geben. In Wohngebieten und verkehrsberuhigten Bereichen kann der Radverkehr auf der Kfz-Fahrbahn geführt werden, an stark und schnell befahrenen Straßen muss es einen physisch getrennten Radweg oder eine geschützte Radspur von mindestens zwei Metern Breite geben.

 

Kommunikation und Sichtbarkeit als entscheidender Faktor

Nicht zuletzt sind Kommunikation und Sichtbarkeit wichtig: In fahrradfreundlichen Städten fahren auch Bürgermeister und Verwaltungs-Chefs mit dem Rad, es gibt Aktionstage („autofreier Sonntag“) und Fahrrad-Kampagnen („Mit dem Rad zur Arbeit“, „Stadtradeln“, „Autokorrektur“ o.ä.) sowie fahrradfreundliche Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Diensträder, Fahrradparkplätze und Duschen zur Verfügung stellen.

„Konkurrenz belebt das Geschäft – so ist es auch in der Radverkehrsförderung. Der Fahrradklima-Test kann hier gleichermaßen Ansporn und Bestätigung sein. Mit dem Fahrradklima-Test wollen wir den Städten und Kommunen aber vor allem ein Instrument an die Hand geben, das ihnen hilft, das Fahrradklima vor Ort besser einzuschätzen und Erkenntnisse für ihre Fördermaßnahmen zu gewinnen.“, so Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.

 

Hintergrund zum ADFC-Fahrradklima-Test

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit. Er wurde im Herbst 2016 zum siebten Mal durchgeführt. Er wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 mit rund 150.000 Euro gefördert. Über 120.000 Menschen stimmten bei diesem Durchgang ab, das sind 15 Prozent mehr als beim letzten Durchgang.

539 Städte haben die Mindestanzahl an Stimmen erreicht und es damit in die Wertung geschafft, gegenüber 468 in 2014. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück. Der Test bestand aus 27 Fragen, wie „Macht das Radfahren Ihrer Stadt Spaß oder Stress?“ oder „Sind die Wege für Radfahrende angenehm breit oder zu schmal zum Überholen?“. Die Umfrage wurde größtenteils online durchgeführt. Bewertet wurde nach dem Schulnoten-Prinzip mit Werten zwischen eins und sechs.

Mehr Informationen und die ausführlichen Ergebnisse finden Sie auch hier.

zurück